Haut und Pflege

In unserem letzten Vortrag der Reihe „Hautgesundheit“ für dieses Jahr ging es um das Thema „Haut und Pflege“. Die Dermatologin Frau Dr. Lea-Sophie Stahl zeigte auf, wie wir unsere Haut mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen unterstützen können.

Grundsätzlich basiert die Grundlage der Hautpflege auf der Reinigung und der Pflege der Haut. Auf der Haut bildet sich im Verlauf des Tages ein Film aus Talg, Schweiß, Hautschuppen und auch Ablagerungen von Schmutz, Keimen und Substanzen aus der Umwelt. Hiervon muss die Haut regemäßig gereinigt und anschließend gepflegt werden, damit sie unseren Körper weiterhin schützen kann.

Bei der Suche nach geeigneten Produkte, findet man ein unüberschaubar großes Angebot für verschiedene Hauttypen mit unterschiedliche Anforderungen und Inhaltstoffen.
Wofür entscheide ich mich?

Die Haut hat in jedem Alter andere Bedürfnisse.
Babyhaut zum Beispiel ist im Aufbau wesentlich dünner als Erwachsenenhaut.
Babys schwitzen viel weniger und die Aktivität der Talgdrüsen ist geringer. Allerdings ist die Hautoberfläche im Verhältnis zur erwachsenen Haut sehr viel größer, dadurch werden Wirkstoffe in Cremes viel besser aufgenommen. Zudem bilden Babies ihre Hautschutzbarriere erst aus und reagieren auf Einflüsse aus der Umwelt stärker als Erwachsene (z. B. mit Neugeborenenakne oder Winkeldermatitis). Babyhaut darf z. B. nicht mit Urea-haltigen Produkten eingecremt werden.  

Die Pflege von jugendlicher Haut treibt die Betroffenen regelmäßig an ihre Grenzen. Durch die Hormonumstellung im Körper der Heranwachsenden „blüht“ die Haut mit Unreinheiten und sogar Akne, dies besonders in Gesicht, am Rücken und am Dekolleté. Inadäquate Pflege kann hier zu Narbenbildung führen. Hier ist ein ausbalanciertes Reinigungs- und Pflegeverhalten angebracht, Dampfbäder und vorsichtige Sonnenbäder können in leichten Fällen zusätzlich helfen.
Bei Akne haben Dermatolog*innen gute Produkte mit medizinischen Wirkstoffen wie Retinoiden oder Benzoylperoxid.

Die erwachsene Haut hat andere Anforderungen an die Pflege. Die Hautalterung beginnt schon ab dem 30. Lebensjahr. Der Hauttonus lässt nach, elastische Fasern werden abgebaut und der Wasser- und Fettgehalt der Haut nimmt ab. Mimische Falten bilden sich heraus, die Elastizität der Haut lässt nach, die Haut wirkt „müde“.  Hier ist das Ziel der Hautpflege „slow aging“, Rehydration, UV-Schutz, Minimierung von Pigmentstörungen.

Neben dem Hautalter ist für die Auswahl der Pflegeprodukte auch der Hauttyp wichtig.
Grundsätzlich wird unterschieden in trockene Haut, Mischhaut und fettige Haut – Mischtypen sind möglich.
Bei trockener Haut ist die Hautbarriere gestört, die Haut schuppt, spannt und fühlt sich rau an. Hier ist regelmäßige Rückfettung wichtig – gerne mit Urea-haltigen Produkten.
Mischhaut zeigt im Gesicht auf Stirn, Nase und Kinn ein fettigeres Areal, während die Wangen eher normal bis trocken sind. Hier ist die Pflege ein Balanceakt und sollte jahreszeitlich angepasst werden. Im Winter eher fetthaltige Creme für die Wangen, im Sommer eher Feuchtigkeitscremes.
Bei fettiger Haut ist die Talgdrüsenaktivität erhöht, sie neigt zu Unreinheiten, ist aber generell robuster.  Hier ist eine Pflege mit höherem Wassergehalt angezeigt.

Bei der Basispflege unterscheiden wir verschiedene Produktarten:
Die Lotion hat einen höheren Wasseranteil (70 % Wasser, 30 % Fett) , die Textur ist leicht und lässt sich gut verteilen.
Die Creme ist hat einen höheren Fettanteil und ist damit reichhaltiger, lässt sich aber noch gut verteilen.
Die Salbe hat einen höheren Fettanteil und lässt sich schwerer verteilen.
Ein Gel enthält mindestens einen 90 %igen Wasseranteil, lässt sich gut verteilen und zieht schnell ein.

Generell gilt: je trockener die Haut ist, desto mehr Fettanteil sollte die Basispflege enthalten, um Trockenheit und Schuppung vorzubeugen. Je fettiger die Haut ist, desto mehr Feuchtigkeit sollte aufgetragen werden, um Entzündungen, Rötungen oder Juckreiz entgegenzuwirken. 
Hände und Füße können aufgrund der dickeren Hautschickten eine festere Textur vertragen.

Wenn ich meinen Hauttyp, mein Hautalter und die individuellen Anforderungen meiner Haut kenne, wie gehe ich vor?
Zur Basisroutine gehören: Reinigung – Rückfettung/Rückfeuchtung – Schutz.
Die Reinigung der Gesichtshaut sollte morgens und abends erfolgen, hier sind Mittel mit waschaktiven Substanzen zu bevorzugen. Die anschl. Pflege gibt der Haut Fett und Feuchtigkeit zurück, die das Waschen ihr nimmt. Dieses Zusammenspiel reinigt die Haut und erhält die Hautflora. Wichtig ist hier Routine – wie das Zähneputzen sollte Hautreinigung und –pflege in den Tagesablauf eingeplant werden – gerne mit Musik und dem Gefühl, sich und seiner Haut etwas Gutes zu tun.
Die Routine ist deshalb wichtig, weil wir mit der Hautpflege mehrere Ziele verfolgen: wir erhalten den Hautschutz bzw. regenerieren die Haut sogar, wir wirken Umweltbelastungen entgegen und geben der Haut – gerade im Herbst und Winter – mehr Feuchtigkeit. Alles in Allem erhalten wir mit guter Reinigung und Pflege unsere Hautgesundheit.

Je nach Hauttyp kann optional ein Peeling genutzt werden (ca. 1 x in der Woche), um Hautschuppen und Talg gründlicher zu entfernen. Danach ist die Haut aber besonders empfindlich und sollte gut geschützt werden – auch mit Sonnenschutzmitteln.
Auch medizinisch verordnete Cremes z. B. gegen Akne können nach der Reinigung aufgetragen werden. Die anschl. Pflegecreme dienst zur Rückfettung oder Rückfeuchtung.
Zum Abschluss sollte ein Lichtschutzfaktor aufgetragen werden, besonders im Gesicht.
Zu jeder Jahreszeit ist das Gesicht der Sonne ungeschützt ausgesetzt, die empfindliche Haut benötigt Sonnenschutz, am besten integriert in die individuellen Pflegeprodukte.
Der verlässlichste Sonnenschutz ist Kleidung, zudem sollte die intensive Sonne in der Mittagszeit gemieden werden. Sonnenschutz sollte einen hohen Lichtschutzfaktor haben und großzügig und täglich angewendet werden.

Ein paar Tipps zur Körperpflege: tägliches Duschen ist nicht problematisch, wenn eine rückfettende/rückfeuchtende Körperlotion angewendet wird. Baden weicht die Hautbarriere auf und sollte bei gesunder Haut nicht öfter als 1 – 2 mal in der Woche praktiziert werden, hier auch nur max. 10 Minuten in nicht zu heißem Wasser. Ein Ölbad (Kleopatra-Bad) ist optimal, weil es bereits rückfettende Wirkung hat. Dusch- und Badezusätze sollten keine Duftstoffe enthalten, gerne aber Urea oder Ceramid – dies sind hauteigene Stoffe, die die Haut sehr schnell aufnimmt. Nach dem Duschen oder Baden die Haut nur leicht abtupfen – nicht reiben – und sofort mit einer Pflegelotion eincremen.

Hautpflege in der Schwangerschaft darf Urea, Sonnenschutz und Glycerin enthalten. Retonoide, BHA (Beta-Hydroxy-Acid = Salicylsäure) oder Arbutin sind dagegen unbedingt ärztlich abzuklären.

Fazit:
Hautpflege ist abhängig von Hauttyp, Hautalter, den individuellen Erkrankungen und dem Klima.
Und: teuer muss nicht besser sein – Produkte aus der Drogerie auf die individuellen Hautbedürfnisse angepasst sind eine sehr gute Alternative.
Tägliche Pflegeroutine ist wichtig um die Hautbarriere zu schützen oder zu regenerieren.
Und der tägliche Sonnenschutz ist wichtig, auch in sonnenarmen Zeiten.
Dann geht es unserer Haut gut. ❤️

Vielen Dank an die Dermatologin Dr. Lea-Sophie Stahl für die vielen wertvollen Informationen und danke an alle Teilnehmer*innen für ihr Interesse.

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